Besuch von Roy Gandy bei stereotec
16. April 2026
News
Rega

Roy Gandy bei stereotec
Rega existiert seit über 50 Jahren, und Roy Gandy prägt das Unternehmen bis heute persönlich – obwohl er mittlerweile über 80 Jahre alt ist. Dass er nach wie vor aktiv involviert ist, war im Gespräch deutlich spürbar: nicht als Symbolfigur, sondern als jemand, der sich inhaltlich mit den Produkten auseinandersetzt und eine sehr klare Vorstellung davon hat, worauf es ankommt.
Wir hatten die Gelegenheit, uns während rund zwei Stunden im Showroom auszutauschen – über den Markt, über Retail und vor allem über die Frage, wie gute Audioprodukte eigentlich entstehen.
Eine Aussage von Roy Gandy ist mir dabei besonders geblieben. Auf die Frage, was das Wichtigste an einem Plattenspieler sei, meinte er, dass es erstaunlich wenig fundierte Engineering-Grundlagen dazu gebe, wie ein Plattenspieler „richtig“ gebaut werden sollte – und dass deshalb letztlich etwas anderes entscheidend werde: „the people“.
Gerade in einer Branche, die stark über Technik und Spezifikationen argumentiert, ist das eine bemerkenswerte Perspektive. Es geht weniger um einzelne Kennwerte, sondern um Erfahrung, Gehör und die Fähigkeit, viele kleine Details zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzuführen. In diesem Sinne entsteht Klang nicht durch eine isolierte Lösung, sondern durch das Zusammenspiel aller Elemente – vom Tonarm über das Lager bis hin zur gesamten mechanischen Struktur.
Rega verfolgt dabei seit Jahrzehnten einen sehr konsequenten Ansatz: Konstruktionen sollen möglichst einfach und gleichzeitig extrem steif sein, sodass unerwünschte Resonanzen gar nicht erst entstehen, anstatt sie im Nachhinein zu kontrollieren. Dieser Ansatz zieht sich durch das gesamte Sortiment und erklärt auch, warum Rega-Produkte auf den ersten Blick oft unspektakulär wirken, klanglich aber eine sehr klare, präzise und musikalisch stimmige Wiedergabe ermöglichen.
Im Gespräch habe ich Roy Gandy auch gefragt, worauf er sich heute im Unternehmen konzentriert. Seine Antwort war ebenso klar wie konsequent: Sein Fokus liegt ausschliesslich auf der Klangqualität. Es geht nicht darum, Modelle kosmetisch zu verändern oder künstlich zu differenzieren, sondern darum, echte klangliche Fortschritte zu erzielen. Erst wenn ein solcher Fortschritt erreicht wird, entsteht daraus ein neues Produkt. Dieser Anspruch erklärt auch, warum sich viele Rega-Produkte über Jahre hinweg kaum verändern – und dann in einer neuen Generation einen echten Schritt nach vorne machen.
In diesem Zusammenhang ist auch die Struktur von Rega Research bemerkenswert. Roy Gandy hat das Unternehmen in den letzten Jahren bewusst an die Mitarbeitenden übergeben. Das ist in dieser Branche alles andere als selbstverständlich und sagt viel über die Denkweise hinter Rega aus. Es geht nicht um kurzfristige Optimierung oder maximale Skalierung, sondern um Kontinuität, Verantwortung und die langfristige Weiterentwicklung der Produkte.
Produziert wird nach wie vor in England, ein grosser Teil davon in Handarbeit. Auch das ist kein reines Marketingargument, sondern Ausdruck eines klaren Verständnisses davon, wie Qualität entsteht: durch Kontrolle, Erfahrung und Nähe zum Produkt.
Was von diesem Besuch bleibt, ist für mich vor allem eines: Wie wertvoll die Zusammenarbeit mit echten Manufakturen ist. Mit Firmen, die ihre Produkte selbst entwickeln und bauen, die eine klare Haltung haben und bei denen ein direkter Austausch möglich ist.
Gerade dieser Austausch ist entscheidend. Wir können von den Herstellern lernen, gleichzeitig geben wir Rückmeldungen aus dem Markt weiter – aus Gesprächen mit Kunden, aus dem täglichen Arbeiten mit den Produkten. Diese Nähe führt am Ende zu besseren Entscheidungen auf beiden Seiten.
Und genau deshalb ist es uns wichtig, mit Herstellern zu arbeiten, die diesen Anspruch teilen. Nicht einfach Marken innerhalb grosser Strukturen, sondern eigenständige Unternehmen mit einer klaren Idee davon, was sie tun und warum sie es tun.